Das erste Thema in der Kategorie “Tips für Lernende” soll heute das klassische “V-Problem” der Deutschen sein:

Viele deutschsprachige Lernende haben ein Problem, das englische “V” korrekt auszusprechen…bei den meisten wird es eher zu einem “geschmierten U”…sie sprechen “visit” also als “uisit” aus…”volunteer” als “uolonteer” etc.

Warum passiert das?

Das Geheimnis dahinter ist die sogenannte Psychomotorik. Wir haben im Erstspracherwerb auch Lesen gelernt. Um flüssig lesen zu können, muss sich ein gewisser Automatismus einschleifen, welche Buchstabenkombinationen zu welchen Lautkombinationen gehören. Gleichzeitig haben wir so, obwohl wir physiologisch in der Lage sind, jeden beliebigen Laut (sog. “Phoneme”) zu produzieren, uns ein Repertoire an Lauten geschaffen, die in unserer Muttersprache vorkommen. Andere Laute wurden verworfen und nicht länger geübt. Damit dies alles reibungslos klappt, sind die entsprechenden Bewegungen ubewusst und automatisiert. Wenn wir uns über jeden Laut Gedanken machen müssten, könnten wir keine Reden halten und nicht einmal flüssig sprechen. Genau dies aber wird uns bei einer Fremdsprache zum Verhängnis und erzeugt das, was wir einen “Akzent” nennen. Das Gehirn möchte die erlernten Laute, die “zu den Buchstaben gehören”, produzieren und wir müssen als Lernender immer aktiv und bewusst “gegensteuern”. Bekommen wir eine vernünftige phonetische Ausbildung, so kann auch die Fremdsprache irgendwann so automatisiert sein, dass wir (zumindest nahezu) akzentfrei sprechen. Darin liegt übrigens auch die Schwierigkeit von “Zungenbrechern”. Zungenbrecher enthalten Lautkombinationen, die gewissermaßen “an entgegengesetzten Enden” des Mundes liegen und somit deren flüssige Produktion einiges an Übung erfordert…wir versprechen uns dabei, weil unsere Psychomotorik durcheinandergerät und bestenfalls eine Zwischenposition des gewünschten Lautes produziert, oder einen völlig falschen Laut.

Irritierenderweise ist das englische “V”, bzw. der Laut, der zu ihm gehört, im Lautrepertoire des Deutschen ebenfalls vorhanden…er ist ein ganz normales “W”. Es ist eine rein psychische Blockade, diesen Laut im Englischen nicht mehr hinzubekommen. Es reicht aber oftmals eine einzige Lehrstunde, diesem Problem Herr zu werden. Und der Inhalt ist eigentlich banal:

Machen Sie sich klar, dass Sie den Laut bereits beherrschen, auch in der gewünschten Kombination. Zwar haben wir auch den “Vogel”-Laut, aber den gibt es im Englischen für das “V” nicht.

Sagen Sie mehrfach hintereinander die folgenden Wortpaare:

Visitenkarte – visit

Visite – vintage

Weste – vest

Vandalismus – vandalism

usw.

Spätestens in ein paar Tagen hat es sich auch bei Ihnen eingeschliffen…

cd