Heute mal zu einer Frage, die mir doch sehr oft gestellt wird, nämlich die nach dem “besseren” Englisch.

Es ist ein übles Klischee, dass Englischlehrer nur “Oxford-Englisch” bevorzugen würden…sicherlich gibt es diese Hardliner bis heute noch, aber meine Einstellung ist da doch sehr liberal. Das einzige, was ich fordere ist, dass alles kohärent sein muss.

Soll heißen: Wer “color” schreibt, der muss zum Kofferraum auch “trunk” sagen, “wie ich bereits sagte” ist dann “LIKE I said”, das Partizip Perfekt von “get” ist dann “gotten” usw.

Wer “colour” schreibt, der hat als Kofferraum einen “boot”, sagt “AS I said” und das PP von “get” ist “got”.

Die Britophilen dürfen bei dem Satz “I have got a car.” das “got” weglassen (“I have a car.”), während die Americanophilen (ist das überhaupt das Nomen dazu?!) das “have” (“I got a car.”)

Im britischen Englisch stehen Abkürzungen wie “Mr” und “Mrs” ohne Punkt, im amerikanischen Englisch mit (“Mr.” und “Mrs.”), ein britischer Brief hat weder nach der Andrede noch nach der Grußformel ein Satzzeichen, während die Amerikaner gerne nach der Anrede einen Doppelpunkt machen.

Die Briten halten die Regel des Present Perfect (zum Leidwesen vieler Lernender) immer noch sehr hoch, während es den Amerikanern egal ist, ob man nun “I have lost my key, have you seen it?” oder “I lost my key, did you see it?” sagt und schreibt.

Das schöne alte “shall” ist in den USA verschütt gegangen, genau wie ein Amerikaner “need” nur mit “don’t” verneint (“needn’t” ist rein britisch)…die Amerikaner können “accommodation” zählen, liegen “in THE hospital”, die Briten tun etwas “AT the weekend”, während die Amerikaner lieber etwas “ON the weekend” tun usw…

Es gibt noch eine Reihe mehr Beispiele, sowie es Bücher gibt, die sich nur mit diesen Unterschieden auseinandersetzen.

In meinen Masterclasses achte ich dann ausserdem darauf, dass auch die Aussprache zur bevorzugten Varianz passt, sonst klingt das sehr bizarr…

Mein Tip: Suchen Sie sich als Lernende(r) erst einmal “Ihre” Varianz heraus…wenn Sie tendenziell eher auf Harry Potter, Tee und London stehen oder beruflich viel mit dem Empire zu tun haben, so sollten Sie sich an der britischen Schreib- und Sprechweise und am britischen Vokabular orientieren. Ist Ihr Ding eher, einmal mit der Harley über den Highway Number One zu brettern, so sollten Sie sich erst einmal mit der amerikanischen Varianz auseinandersetzen.

Vollprofis passen dann ihren “Dialekt” später dem Gegenüber an, um einige unbewusste Bonuspunkte einzuheimsen…das fällt schon in den Bereich der “psychologischen Kriegsführung” im Geschäftsleben. Das kennen Sie aber sicher von sich selbst:

Wenn Sie als Münchner mitten im tiefsten Afrika jemanden finden, der Deutsch spricht, erfreut Sie das sicher bereits sehr und sie haben sofort eine positivere Disposition zu diesem Menschen…klingt dieser Mensch aber dann noch so, als sei er auf dem Viktualienmarkt großgeworden und hat noch ein Paulaner im Kühlschrank, hat er auf ganzer Linie gewonnen – und kann Sie somit übelst über den Tisch ziehen…aber über die dunkle Seite der Macht wollen wir hier ja nicht reden ;)

Fazit: Ob Sie klingen wie Bush oder Thatcher…hauptsache, Ihr Vokabular und Ihre Phrasen passen dazu. Es gibt kein “besseres” Englisch…so wie die Österreicher ja auch kein “schlechtes” oder “falsches” Deutsch sprechen…es ist eben ein anderes Land, das “sein” Deutsch so spricht, wie es sich entwickelt.

In diesem Sinne, bis zur nächsten Lektion!

cd